Update Cologne #06: ANDREAS KAISER

Werke und Fotos: © Andreas Kaiser & VG Bild Kunst

 

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Publikation update cologne #06 Andreas Kaiser
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Andreas Kaiser wurde 1967 in Fürth geboren. Sein Studium an der Kunstakademie Münster, das er 1988 begann, schloss er 1996 bei Professor Joachim Bandau ab und erhielt im Anschluss ein Stipendium der Cité Internationale des Artes, Paris. Seit 2008 hat er eine Professur für Kunst und Raum an der Hochschule Mainz inne. Von 2010 bis 2014 war er Vorsitzender des Kunstbeirates der Stadt Köln. Seit 2012 ist er Mitglied des deutschen Künstlerbundes. Kaiser lebt und arbeitet in Köln und Mainz. 2002 war er vierter Villa Aurora Stipendiat des Kölner KunstSalons. 

  

Bei Update Cologne zeigte Andreas Kaiser – neben Werken aus seinen Objekt-Serien der „Schnitte“ und „Lichtzeichnungen“, die er wie im ersten Saal wie Zeichen im Raum zueinander in Beziehung gesetzt hatte – eine eigens für den zweiten Saal konzipierte Installation, deren Entstehung bereits das Prinzip einer „Verschiebung“ zugrunde lag: Sie basierte auf seinem langjährigen, global durchgeführten partizipatorischen Projekt mit dem Titel HOME, in Kooperation mit Kindern aus mehreren Kontinenten. Dieses begann im Herbst 2002 in Deutschland und verbindet mit den Mitteln der Architektur, Zeichnung und Skulptur Kinder und Institutionen auf allen Erdteilen. Häuserzeichnungen von 300 deutschen Kindern im Alter von 8 bis 13 Jahren wurden gesammelt. Auch in Südafrika zeichneten 300 Kinder in verschiedenen Workshops ihre Häuser. Nach Übergabe ihrer Zeichnungen an den Künstler wurden ihnen die deutschen Kinderzeichnungen vorgelegt. Aus Terracotta sollten faustgroße deutsche Häuser geformt werden. Die zweidimensionale Architektur-Zeichnung wurde in eine skulpturale Form gebracht und eigene kulturelle Hintergründe mit eingearbeitet. So entstanden etwa deutsche Rundhäuser (Rondavels) und Satellitenschüsseln wurden zu kugelförmigen Dachkonstruktionen. Im Februar 2004 wurden die Workshops mit südafrikanischen Zeichnungen in mehreren Kleinstädten Westaustraliens wiederholt und nun wiederum die afrikanischen Häuser in Australien installiert. Im jeweiligen Land wurde eine ortsspezifische Installation präsentiert. 2005 wurde das Projekt mit Hilfe der Kunststiftung NRW in Indien fortgeführt. 2014 dann bauten 400 chilenische Kinder indische Häuser, die in einer rasanten Spiralbewegung durch den Ausstellungsraum des Parque de las Esculturas in Santiago de Chile flogen. 

Schlussendlich wurden die Häuser nach Köln verschifft. Ziel war es, alle Kontinente in einer Installation zu verbinden, die nun bei Update Cologne ihre Umsetzung fand. In einer raumgreifenden Anordnung gruppierten sich die Terracotta-Häuschen auf frei von der Decke herabhängenden Grids in elliptischer Grundform, die Ausschnitte des – wie in Orangenschnitze geteilten – Globus repräsentieren könnten. 

Schiffen gleich navigierten die transparenten netzartigen Träger parallel durch den Raum, zusammen mit dem Gespinst der sie tragenden Schnüre gewannen sie eigenständigen plastischen Charakter und traten gleichzeitig zurück für den konzentrierten Blick auf die mehr als 1.000 kleinen Tonhäuser. In den fragilen schwebenden Gebilden, die schon durch Wegnahme oder den Versatz einer einzigen der Miniaturbehausungen aus dem Gleichgewicht und in Bewegung gerieten, schienen bildhaft die ständigen Wechselwirkungen in unserer globalisierten Welt auf: Es geschieht nichts mehr auf der vernetzten Erdkugel, das uns nicht tangiert. "Schon der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien kann in Texas einen Orkan auslösen." Mit dieser Metapher machte der Meteorologe Edward Lorenz das aufkommende Gebiet der Chaosforschung Anfang der 1970erJahre über Nacht populär. Alles hängt miteinander zusammen: Immer dichter verweben sich kulturelle Kontexte, immer umfassender erfolgt deren wechselseitige Aneignung, freiwillig oder nicht, bewusst wie unbewusst, in freundlicher wie feindlicher Übernahme. 

Die jeweils eigene und durch die Herkunft geprägte Sicht beeinflusst unsere Wahrnehmung des Fremden. In der kindlichen Interpretation der gezeichneten Vorlagen aus anderen Kontinenten zeigt sich in unschuldiger wie poetischer Weise, dass das, was wir ein „Zuhause“ nennen, was uns Schutz, Vertrautes, Selbstverständliches bedeuten kann, ebenso zerbrechlich wie subjektiv ist. Der spielerischen räumlichen wie kulturellen Verschiebung, die Kaiser in diesem Projekt in Szene setzte, entspricht eine unaufhaltsame und ambivalente globale Entwicklung: Diese befördert eine Annäherung zwischen Menschen aller Kulturen, aber auch eine Nivellierung der Unterschiede und das Ringen um die Wahrung von Identität mit allen ernsten Konsequenzen. 

  

Die Ausstellung von Andreas Kaiser wurde am 15. Januar 2023 mit einer Vernissage und Einführung durch Kay von Keitz eröffnet und hatte eine rund sechswöchige Laufzeit, bis zur Finissage und Katalogpräsentation am 26. Februar 2023. Am 29. Januar 2023 fand ein Artist Talk mit der Kuratorin Birgit Laskowski statt.

Andreas Kaiser was born in Fürth in 1967. He completed his studies at the Kunstakademie Münster, which he began in 1988, in 1996 with Professor Joachim Bandau and subsequently received a scholarship from the Cité Internationale des Artes, Paris. Since 2008 he has held a professorship for art and space at the Hochschule Mainz. From 2010 to 2014 he was chairman of the art advisory board of the city of Cologne. He has been a member of the German Artists' Association since 2012. Kaiser lives and works in Cologne and Mainz. In 2002 he was the fourth Villa Aurora fellow of the Cologne KunstSalon.

  

At Update Cologne, Andreas Kaiser showed - in addition to works from his object series of "cuts" and "light drawings", which he had set in relation to each other like signs in space, as in the first hall - an installation conceived especially for the second hall, the creation of which is already based on the principle of a "shift": it was based on his long-standing, globally implemented participatory project entitled HOME, in cooperation with children from several continents. This began in Germany in the fall of 2002 and uses the means of architecture, drawing, and sculpture to connect children and institutions on all continents. House drawings were collected from 300 German children between the ages of 8 and 13. In South Africa, 300 children also drew their houses in various workshops. After handing over their drawings to the artist, the German children's drawings were presented to them. Fist-sized German houses were to be sculpted out of terracotta. The two-dimensional architectural drawing was transformed into a sculptural form and the children's own cultural backgrounds were incorporated. For example, German round houses (rondavels) were created and satellite dishes became spherical roof structures. In February 2004, the workshops were repeated with South African drawings in several small towns in Western Australia and now, in turn, the African houses were installed in Australia. A site-specific installation was presented in each country. In 2005, the project was continued in India with the help of the Kunststiftung NRW. Then in 2014, 400 Chilean children built Indian houses that flew in a rapid spiral movement through the exhibition space of the Parque de las Esculturas in Santiago de Chile. 

Finally, the houses were shipped to Cologne. The goal was to connect all continents in one installation, which had now been realized at Update Cologne. In an expansive arrangement, the terracotta houses were grouped on grids hanging freely from the ceiling in an elliptical basic shape, which could represent sections of the globe - divided as if into orange slices. 

Like ships, the transparent net-like beams navigated parallel through the space; together with the web of cords supporting them, they gained an independent sculptural character and at the same time stepped back for the concentrated view of the more than 1,000 small clay houses. The fragile, floating structures, which were thrown off balance and into motion by the removal or displacement of just one of the miniature dwellings, figuratively revealed the constant interactions in our globalized world: Nothing happens anymore on the networked globe that does not affect us. "Even the flap of a butterfly's wings in Brazil can trigger a hurricane in Texas." With this metaphor, meteorologist Edward Lorenz popularized the emerging field of chaos research overnight in the early 1970s. Everything is interconnected: Cultural contexts interweave ever more densely, their mutual appropriation takes place ever more comprehensively, voluntarily or not, consciously or unconsciously, in friendly or hostile takeover. 

Our perception of the foreign is influenced by our own view, which is shaped by our origins. In the childlike interpretation of the drawn models from other continents, it becomes apparent in an innocent as well as poetic way that what we call a "home," what can mean to us protection, the familiar, the self-evident, is as fragile as it is subjective. The playful spatial as well as cultural shift that Kaiser staged in this project corresponds to an unstoppable and ambivalent global development: this promotes a rapprochement between people of all cultures, but also a leveling of differences and the struggle to preserve identity with all its serious consequences. 

  

 

The exhibition by Andreas Kaiser opened on January 15, 2023 with a vernissage and introduction by Kay von Keitz and ran for approximately six weeks until the finissage and catalog presentation on February 26, 2023. An Artist Talk with curator Birgit Laskowski took place on Sunday, January 29, 2023. 



Porträtfoto Andreas Kaiser © Andreas Kaiser
Porträtfoto Andreas Kaiser © Andreas Kaiser

 1967 in Fürth geboren,  lebt und arbeitet seit 1999 in Köln / 1967 born in Fürth, Germany, lives and works in Cologne, Germany  since  1999

 

Studium / Education

1988/96 Studium Kunstakademie Münster      

1994 Meisterschüler bei Prof. Joachim Bandau

 

Stipendien, Arbeitsaufenthalte, Lehraufträge / Grants, residencies, lectureships

2014 Artist in Residence Parque de las Esculturas / Santiago de Chile

2010/14 Vorsitzender des Kunstbeirates der Stadt Köln

seit 2008 Professor für Kunst und Raum, Hochschule Mainz

2007 Lehrauftrag Kunstakademie Münster

2006 Stipendium Künstlerdorf Schöppingen

2005 Artist in Residence GlobalArtsVillage / New Delhi / Indien

2004 Artist in Residence IASKA Perth / Australien

2003 Artist in Residence, bagfactory. Johannesburg / Südafrika

Förderkoje Art Frankfurt

Kunstpreisträger der Stadt Köln

2002 Villa Aurora Stipendium des kunstsalon Köln für Los Angeles / USA

2000 Förderkoje art cologne

1999 Leo Breuer – Förderpreis des LVR

Kunstpreis der Stadtsparkasse Magdeburg

Kulturförderstipendium der Westfälischen Wirtschaft

1998 Stipendium der Stadt Mönchengladbach

1997 Gotlandstipendium des LWL

1996 Artist in Residence, Cité des Arts; Paris / F

 

Denkmalprojekte und Kunst am Bau

2018 DIE WANDLUNG, Kunst am Bau, Hochschule Ludwigshafen (nicht ausgeführt)

CAMPO ALBERTO, Platzgestaltung, Universität zu Köln (nicht ausgeführt)

LINIE E6´46´´16.74´´´, Kunst am Bau, Gersdorf-Kaserne Euskirchen (nicht ausgeführt)

2017 BROTHERS; Kunst am Bau, Humboldt Forum Berlin (nicht ausgeführt)

2016 TUBÀ; Denkmal zu den Anschlägen des NSU in Köln, ELDE-Haus (nicht ausgeführt)

2015 PLATONS FEHLER; Kunst am Bau, Julius Kühn Institut Heidelberg (nicht ausgeführt)

2011 AUSGLEICH; Kunst am Bau, Landesamt für Umwelt Augsburg (nicht ausgeführt)

52°31´57´´N; Kunst am Bau, Schule der Bundesnachrichtendienste Berlin (nicht ausgeführt)

2010 ICEBERG; Ruhr 2010, Baldeneysee Essen (K)

2007 GREVENER TANGENTE; Preisträger Kunst im Kreisverkehr, Stadt Greven (verhindert)

2005 ZEUGE; Denkmal für einen ermordeten Kriegsgefangenen, kunstwegen Nordhorn

2003 SCHLÜSSELGEWALTSPIRALE; Kunst am Bau, Polizeipräsidium Recklinghausen

ALBUM; Denkmal für eine Emigrantin (Kunstverein Coesfeld/ Städt. Galerie Dachau)

2002 Denkmalwettbewerb Billerbeck, Umwidmung: Mahnmal gegen Krieg und Gewaltherrschaft

2000 Preisträger Denkmalwettbewerb Magdeburger Montagsdemonstrationen ´89 (verhindert)

1999 Preisträger Denkmalwettbewerb Sr. Maria Droste zu Vischering (verhindert)

1998/2002 WIEDERVORLAGE I - IV; Versuche über ein auf dem Hauptfriedhof Mönchengladbach vergrabenes Denkmal  des 1. Weltkrieges

 

Einzelausstellungen  und Projekte  (K) Katalog / Solo exhibitions and projects 

2014 HOME CL, Parque de las Esculturas, Santiago de Chile

2012 WIEDERERÖFFNUNG, artothek der Stadt Köln

2009 OASE, Kunsthalle Will / CH (K)

GLOBAL SOLUTION, Galerie Seippel, Köln

2008 Schweizer Glück, Sirupspace Zürich

2007 SEHSTATIONEN; Stadtbauraum Gelsenkirchen (mit Andreas Fritzen BDA)

2006 HERNER MODELL; Westfälisches Landesmuseum für Archäologie Herne (K)

2005 ALBUM; Städtische Galerie Dachau (K)

CUTS; Conny Dietzschold Gallery; Sydney (mit R. Schad und W. Mally)

HOME IN; khoj, New Delhi; Indien

2004 HOME AU; IASKA Kellerberrin, Australien

BEHAUSUNG; Landesmuseum Bonn (K)

NACHTSTÜCK; Galerie Seippel

2003 HOME SA; bag factory Johannesburg (mit Freddy Tsimba) (K)

ALBUM; Kunstverein Coesfeld (K)

2002 SCHNITT; Galerie Seippel, Köln

2001 STANDORTBESTIMMUNG; artothek Köln

ERINNERUNGSRÄUME; Schloß Agathenburg, Stade (K)

ORTSBEZIEHUNG; Museum Goch (K)

2000 HORST; Galerie Seippel, Köln

LEBENDFALLE; Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg (K)

1999 SÄULENSILAGE; Museum Abteiberg; Mönchengladbach, (K)

WELTLAGER; Museen der Stadt Lüdenscheid (mit Claudia Wissmann)

1998 BUNKHOUSE; Kunsthalle Recklinghausen

CABINET; Kunstraum Fuhrwerkswaage, Köln(K)

1997 VERS LA SEINE - SEINEWÄRTS; Cité des Arts; Paris

OPENING; GFK Visby;  Gotland/SE 

 

Gruppenausstellungen (Auswahl) / Group exhibitions (selection)

2022 Museum Goch

2019 Kunstraum Fuhrwerkswaage

2017 Galerie Münsterland

2014 Museum Schloss Agathenburg

2013 Spirito del Lago Stresa / I

2011 Museum Goch

2009 Kunstverein Gelsenkirchen

2008 Centre Pasquart, Biel / CH (K)

2007 Flottmann-Hallen Herne

Seippel Gallery Johannesburg / SA

2005 Zeche Zollverein Essen

Skulpturenmuseum Marl

White Box München (K)

Martin-Gropius-Bau, Berlin

2003 Galerie Netuschil Darmstadt

ACE Gallery Los Angeles / USA

2002 Ace Gallery New York / USA

2001 Kunstverein Gelsenkirchen

Stadtmuseum Hattingen (K)

Museen der Stadt Lüdenscheid

Kunsthalle Recklinghausen (K)

1999 Kunstverein Aahaus (K)

Städtische Galerie Nordhorn (K)

Neuer Aachener Kunstverein

Kunstverein „kjubh“; Köln

1998 Ludwig Forum, Aachen

1996 Schloß Brake,Lemgo (K)

Kunstraum Lothringer Straße; München (K)

1995 Galerie der Stadt Stuttgart (K)

Städtische Galerie Lüdenscheid 

Kunsthalle Recklinghausen (K)

1994 Skulpturenmuseum Glaskasten Marl (K)

1993 Suermondt-Ludwig-Museum; Aachen (K)

1989 Galerie Erhard Klein, Bonn

 

www.kaiserkunst.de

 

 


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